Freie Presse Forchheim, 08.09.2010
Rette mich Forchheim!
Forchheim – 2008 startete das, was Sarah Hergenröther jetzt selbst von ihrer Heimatstadt Forchheim sehen möchte. Vor 2 Jahren gründete sich die Kampagne „Save Me“, zu deutsch „Rette mich“ in München aufgrund anfänglicher Initiative des Bayerischen Flüchtlingsrats und bundesweit durch die Flüchtlingsorganisation „Pro Asyl“, derer sich aktuell 56 deutsche Städte angeschlossen haben, darunter auch Forchheim, mit und durch Sarah Hergenröther.
Die Kampagne beschränkt sich dabei nicht nur auf die alleinige Aufnahme von Flüchtlingen, sondern konzentriert sich ebenso auf einen gezielten und kontinuierlichen Flüchtlingsschutz. Das Ziel ist, dass Deutschland sich für eine regelmäßige Aufnahme von besonders verwundbaren Flüchtlingen im Rahmen des sogenannten Resettlement-Programms der Vereinten Nationen ausspricht.
Gesetzt wird hierbei auf die Initiative der Bürgerinnen und Bürger, wie im Falle der „Save Me Forchheim – Kampagne“, die sich für eine Aufnahme von Flüchtlingen aussprechen und diese Forderung ihrer Kommune überbringen. Das Ziel soll ein kommunaler Beschluss (im Stadt- bzw. Kreisrat) sein, mit fortsetzender Wirkung auf die Bundespolitik.
„Weil die Bundespolitik zu wenig macht“
Im Juni 2010 hat sich die junge Frau schließlich der Sache selbst angenommen und „Save Me Forchheim“ ins Leben gerufen. „Die Bundesrepublik macht für meine Verhältnisse schlicht zu wenig. Durch die Save Me Kampagne besteht nun jedoch die Möglichkeit, dass meine Stadt einen Beitrag leistet.“
Unter den 56 deutschen Städten sind Erlangen, Fürth und Nürnberg vertreten. Kürzlich hat dabei der Nürnberger Stadtrat erst einen positiven Beschluss gefasst, der nun die Aufnahme von Flüchtlingen ermöglicht.
Keine Flüchtlinge zweiter Klasse
Das geforderte Resettlement Programm von „Save Me“ sei keine Alternative zum bestehenden Asylrecht sondern eine Ergänzung. Durch das Programm der Vereinten Nationen können diejenigen ein Chance auf ein Menschenwürdiges Leben bekommen, die besonders verwundbar sind (alt, krank, traumatisiert, alleinerziehend, minderjährig oder gar verfolgte Minderheiten) und eine Flucht alleine kaum schaffen würden. „Darüber darf man aber die Asylbewerber und deren schwierige Lebenssituation nicht vergessen“, mahnt Sarah Hergenröther.
Die Politiker hätten jedoch zu viel Angst bei ihren Wählern in Misskredit zu geraten, meint Hergenröther. „Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung aus politischen Gründen mit der Aufnahme von Christen wirbt, weil jeder Mensch ein Recht auf ein Leben in Würde und Sicherheit hat“, wiederspricht Hergenröther einer Konzentration auf eine bestimmte Gruppe von Flüchtlingen. Dies erwecke schließlich den zu vermeidenden Eindruck, bei der Flüchtlingspolitik existierte eine zweite Klasse und im Gegenzug bevorzugte Gruppierungen Hilfesuchender.
Ängste abbauen
Für die Aktivistin ist es vor allem wichtig, die Ängste bei der Bevölkerung abzubauen. “Denn Flüchtlinge können dazu beitragen, unserer Gesellschaft eine besondere Farbe zu verleihen”, ist sie sich sicher. „Wir können voneinander profitieren, wir müssen nur über die Grenzen hinaus denken“.
Beruflich ist Sarah Hergenröther unter der Woche in München vor Ort und von dort „sehe ich persönlich die Früchte, die die Kampagne in München und bundesweit mit sich trägt“, berichtet sie. Die Interaktion der Flüchtlinge mit der Bevölkerung sei demnach besonders lobenswert hervorzuheben. „Hier entstehen Freundschaften und interessante kulturelle Austausche “, weiß die junge Frau aus eigener Erfahrung zu berichten.
Unterstützer gesucht
Es ist schwer, Unterstützer für das Thema Flüchtlinge zu finden, weiß Sarah Hergenröther, doch bisher haben sich bereits 35 Unterstützer und Unterstützerinnen auf der Webseite der „Save Me Forchheim“ Kampagne registriert.
Darunter findet sich auch die Studentin und Grünen Bundestagskandidatin 2009 für Forchheim und Bamberg, Lisa Badum (26). „Gerade Deutschland, als reiches und friedliches Land sollte die Augen vor den Hilfesuchenden nicht verschließen und sollte seiner Verantwortung gerecht werden“, ist Lisa Badum überzeugt. „Deshalb wünsche ich mir, dass sich auch der Forchheimer Stadtrat zu der Kampagne bekennt und möglichst viele politische Parteien überzeugt dahinter stehen“, wünscht sich Badum für die Zukunft von Save Me.
Sarah Hergenröther will sich nicht missverstanden fühlen und weißt daher darauf hin, dass die Unterstützerstimmen im Internet zu keiner automatischen Verpflichtung führen, sondern diese als eine Art digitaler Unterschriftenliste zu sehen sind, die die Kampagne befürworten. „Natürlich ist auch nichts dagegen einzuwenden, sich aktiv als Pate zu engagieren und Flüchtlingen beim Einstieg in den Deutschen Alltag zu helfen. Aber Priorität hat erst einmal die Liste“.
Ziel ist kommunaler Beschluss
Der positive Stadtratsbeschluss in Nürnberg, so hofft Hergenröther, habe eine positive Auswirkungen auf die derzeitigen Vorbereitungen der Stadt Fürth und dies wiederum auf die Nachbarstadt Erlangen bis hin zu Forchheim. Darin sieht sie auch die große Chance, dass sich durch die gute Lage der Städte in der Metropolregion eine überschneidende Kooperation bilden könnte.
„200 Unterstützer und ein Stadtratsbeschluss, dass wäre mein persönliches Wunschziel für Forchheim“, und sie weiß um die schwere Erreichbarkeit ihres hochgesteckten Zieles. Erste Aktionen seien bereits in Planung, „die aber alleine nicht zu bewältigen sind“. Sarah Hergenröther stößt dabei nicht ein nur ausschließlich politisches sondern auch gesellschaftliches Thema an.
Selbst sechs Jahre in Kolumbien gelebt, ist Hergenröther bewusst geworden, welche Besonderheit es für sie darstellt, in einem stabilen Land, wie Deutschland zu leben. Deshalb ist sie sich sicher: „Wir sollten verfolgten Menschen in viel größerem Ausmaße helfen und uns bewusst werden, was für ein Luxus es ist, in Deutschland geboren zu sein. Gerade deshalb empfinde ich es als Verpflichtung verfolgten Menschen zur Seite zu stehen“.
Und dass sich die Unterstützer für die Aktion quer durch die Gesellschaft finden lassen zeigt die Übersicht auf deren Internetseite. Friedemann Nübel (70) unterstützt die Kampagne „weil ich selbst ‘mal im 2. Weltkrieg Flüchtling war und unser Grundgesetz und die Religionen uns hier verpflichten“, so seine Begründung.
INFO: Wer mehr über die Kampagne „Save Me Forchheim“ wissen möchte, kann die Gelegenheit nutzen bei einem Informationstreffen am Freitag, 10. September um 19 Uhr im Stadtlockal Forchheim in der Hauptstraße 52.
Weiter Informationen und die Unterschriftenliste finden Sie unter: www.save-me-forchheim.de
aus: http://freie-presse-fo.de/?p=1938


