Pro Asyl, 16.04.2008
Pro Asyl: Aufnahmeprogramm für Irakflüchtlinge dringend erforderlich
Vor der Innenministerkonferenz: Aufnahmeprogramm für Irakflüchtlinge dringend erforderlich
PRO ASYL: Eine der größten Flüchtlingskatastrophen der letzten Jahrzehnte erfordert eine adäquate Antwort
Die am Donnerstag und Freitag dieser Woche in Bad Saarow tagende
Innenministerkonferenz wird sich mit der Lage der irakischen
Flüchtlinge beschäftigen. PRO ASYL fordert aus diesem Anlass die
Innenminister des Bundes und der Länder auf, ein Programm zur
dauerhaften Aufnahme von irakischen Flüchtlingen in einer Größenordnung
zu beschließen, die dem Ausmaß der Flüchtlingskatastrophe in der Region
gerecht wird. Mehr als 2 Millionen Flüchtlinge leben in den
Nachbarstaaten des Iraks, viele von ihnen ohne eine realistische
Hoffnung auf Rückkehr. Hunderttausende brauchen schnell eine neue
Heimat, denn die Erstaufnahmestaaten, insbesondere Syrien und
Jordanien, benötigen Unterstützung.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe hat mit einem historischen
Vergleich daran erinnert, dass die Notwendigkeiten, die sich jetzt
stellen, mit der Aufnahme der Indochinaflüchtlinge nach dem Ende des
Vietnamkriegs vergleichbar sind. Damals hatte Deutschland 30.000
Flüchtlinge aufgenommen.
Aus den Kirchen wird nun die Aufnahme von 30.000 verfolgten irakischen
Christen gefordert. PRO ASYL hält eine Aufnahme von Flüchtlingen in
dieser Größenordnung für angemessen und machbar. Deutschland hat in den
80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts jährlich ein Vielfaches
dieser Zahl als Asylsuchende aufgenommen. Die Neuzugänge von
Asylsuchenden sind inzwischen auf weniger als 20.000 im Jahr 2007
gesunken. Wenn die im Rahmen eines Aufnahmeprogramms aufgenommenen
Flüchtlinge nach dem für Asylsuchende geltenden Schlüssel auf die
Bundesländer verteilt würden, dann ergäben sich bei einer Aufnahme von
30.000 Flüchtlingen überschaubare Zahlen. Das Bundesland Hessen hätte
demzufolge rund 2.000 Flüchtlinge aufzunehmen. Dies wären pro Stadt
bzw. Landkreis im Durchschnitt etwa 100 Flüchtlinge. Auf Niedersachsen
würden etwa 2.700, auf Sachsen-Anhalt 900 Flüchtlinge entfallen.
Bei einem Aufnahmeprogramm dürfen sich die Fehler der Vergangenheit
nicht wiederholen. „Integration beginnt am ersten Tag und setzt einen
gesicherten Aufenthaltsstatus voraus“, sagte Günter Burkhardt. PRO ASYL
fordert, Flüchtlingen einen Aufenthaltsstatus zu gewähren, der den
Zugang zum Arbeitsmarkt und zu Integrationskursen umfasst. Angesichts
der Situation im Irak wäre es falsch, von einem nur vorübergehenden
Aufenthalt auszugehen.
Die Aufnahme von verfolgten Christen sowie anderer besonders
Schutzbedürftiger aus dem Irak wäre ein wichtiger erster Schritt, dem
weitere folgen müssten. PRO ASYL fordert, dass Deutschland und die
Europäische Union ein Aufnahmeprogramm entwickeln, das die jährliche
Aufnahme von Flüchtlingen vorsieht. Wer für die Menschenrechte
eintritt, muss Konzepte entwickeln, die Opfern von
Menschenrechtsverletzungen Schutz bieten.
Jetzt darf jedoch keine Zeit verloren gehen, weder durch zögerliches
Verhalten der Innenministerkonferenz, noch durch Konsultationen auf
EU-Ebene. Die Innenministerkonferenz muss ein positives Signal setzen,
an dem sich andere EU-Staaten orientieren können.
gez. Günter Burkhardt


